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Interview

Wie Israel zu einer Technologiemacht wurde: Die übersehenen Kräfte hinter der „Start-up-Nation“

 
Israelische Flagge vor dem Hintergrund der Wolkenkratzer in Tel Aviv (Foto: Shutterstock)

Israels Technologiesektor wird oft mit der IDF, Cybersicherheit und dem explosionsartigen Wachstum von Start-ups in den letzten Jahrzehnten in Verbindung gebracht.

Doch laut dem Technologiehistoriker Meir Valman begann die Geschichte schon viel früher – und die Kräfte, die sie geprägt haben, waren vielfältiger, als es die bekannte Erzählung von der „Start-up-Nation“ vermuten lässt.

„Die Ursprünge“ der israelischen Hightech-Branche, erklärt Valman im IsraelTech podcast, reichen bis in die Zeit vor der Gründung des Staates Israel zurück.

Und mein Ausgangspunkt – was für viele Menschen ziemlich überraschend ist – liegt lange vor der Gründung des Staates Israel bei den Universitäten, nämlich dem Technion, der Hebräischen Universität und dem Weizmann-Institut, die alle lange vor 1948 gegründet wurden.“

Die IDF sollte schließlich zu einem der wichtigsten Technologie-Inkubatoren Israels werden, doch Valman betont, dass dies eine schrittweise Entwicklung war. In den ersten Jahrzehnten Israels spielten die Universitäten eine besonders wichtige Rolle in Bereichen wie Halbleitertechnik und Biowissenschaften. Die technologischen Einheiten der IDF gewannen erst später an Bedeutung, während Programme wie Mamram dazu beitrugen, eine neue Generation von Computerfachleuten auszubilden.

Ein weiterer entscheidender Faktor war Israels Beziehung zu den Vereinigten Staaten. Ab den 1960er- und 1970er-Jahren reisten israelische Unternehmer zunehmend nach Amerika, wo sie auf Geschäftspraktiken und Technologien stießen, die zu Hause noch weitgehend nicht verfügbar waren. Der Einfluss ging weit über die Technologie selbst hinaus.

„Fast jeder, der in den 70er- und 80er-Jahren in Israel als Unternehmer erfolgreich war, hatte Zeit in Amerika verbracht und dort unternehmerische Fähigkeiten erworben.“

Valman nennt Efi Arazi und Scitex als wichtiges Beispiel. Arazi brachte Erkenntnisse vom MIT und aus der amerikanischen Rüstungsindustrie mit nach Israel zurück und legte den Schwerpunkt auf Vertrieb und Marketing, Produktdesign und Kundenservice – Bereiche, die von technisch orientierten israelischen Unternehmen oft vernachlässigt wurden.

Auch die Regierung spielte eine wichtige Rolle. Ab den 1970er Jahren entwickelte Israel eine Politik, die darauf abzielte, Forschung und Entwicklung zu fördern, ohne den Unternehmern vorzuschreiben, in welchen Branchen sie tätig sein sollten. Später trug das Yozma-Programm dazu bei, ein Ökosystem für Risikokapital zu schaffen, indem es ausländische Investitionen und – was vielleicht noch wichtiger war – ausländisches Fachwissen nach Israel holte.

„Yozma war schlichtweg der Treibstoff, der ihnen den Durchbruch ermöglichte, da es wiederum sowohl das Kapital als auch das Fachwissen bereitstellte.“

Die massive Einwanderungswelle aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren brachte einen weiteren unerwarteten Vorteil mit sich.

Viele der neuen Einwanderer waren hochqualifizierte Ingenieure, auch wenn anfangs relativ wenige von ihnen Erfahrung als Unternehmer oder Softwareentwickler hatten. Israel gelang es, viele von ihnen umzuschulen, gerade als der globale Technologieboom eine enorme Nachfrage nach Fachkräften schuf.

Zusammen schufen diese Kräfte ein ungewöhnliches Ökosystem: Die Universitäten brachten wissenschaftliche Talente hervor, die IDF sorgte für praktische Ausbildung, Regierungsprogramme halfen bei der Kapitalbeschaffung, und Verbindungen zu den Vereinigten Staaten brachten betriebswirtschaftliches Wissen und Zugang zu internationalen Märkten.

Dennoch räumt Valman auch die Grenzen des israelischen Erfolgs ein. Israel ist außerordentlich gut darin geworden, Start-ups zu gründen, doch deren Ausbau zu großen, unabhängigen globalen Unternehmen bleibt erheblich schwieriger.

Gründer, die sich beim Aufbau eines kleinen Teams und der Markteinführung eines ersten Produkts auszeichnen, wollen oder wissen möglicherweise nicht unbedingt, wie man eine große multinationale Organisation leitet.

„Israelis lieben es, neue Unternehmen zu gründen. Sie lieben dieses Gefühl, mit einem kleinen Team anzufangen, sehr hart zu arbeiten und ihr MVP auf den Markt zu bringen. Und wissen Sie, als Erster auf dem Markt zu sein – das ist Teil der israelischen Kultur.“

Diese Spannung ist möglicherweise eine der wichtigsten Fragen, mit denen die israelische Technologiebranche heute konfrontiert ist: Können die Kultur und die Institutionen, die Israel außergewöhnlich gut darin gemacht haben, Unternehmen zu gründen, dem Land auch dabei helfen, die nächste Generation beständiger globaler Technologiegiganten aufzubauen?

Valmans Geschichte legt nahe, dass Israels technologischer Erfolg niemals das Ergebnis einer einzelnen Institution, einer Regierungspolitik oder einer Generation war. Vielmehr entstand er über Jahrzehnte hinweg durch das Zusammenspiel von Wissenschaft, der IDF, Regierungspolitik, Einwanderung, amerikanischen Verbindungen und einer unverwechselbaren Unternehmerkultur.

Das vollständige Interview beleuchtet, wie diese Kräfte zusammenwirkten – und was sie für Israels technologische Zukunft bedeuten könnten.