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Die verborgenen Kosten des Boykotts israelischer Technologie

 
Das Kampfflugzeug „Adir“ (F-35I) während der internationalen Luftwaffenübung „Blue Flag“ auf dem Luftwaffenstützpunkt Ovda im Süden Israels, 11. November 2019. (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

Politische Boykotte werden oft als moralische Entscheidungen dargestellt. Ihren wirtschaftlichen und technologischen Folgen wird jedoch weniger Beachtung geschenkt. Irlands jüngste Entscheidung, ein in Israel hergestelltes System aus seinem neuen Regierungsflugzeug zu entfernen, verdeutlicht eine umfassendere Realität, die weit über die Luftfahrt hinausgeht: Moderne Volkswirtschaften sind zunehmend von israelischer Technologie abhängig – und zwar in einer Weise, die oft erst dann sichtbar wird, wenn diese Technologie entfernt wird.

Die irische Regierung zahlte 53 Millionen Euro für ein neues Geschäftsflugzeug vom Typ Dassault Falcon 6X, um ihren in die Jahre gekommenen Regierungsjet zu ersetzen. Bei der Beschaffung bestand Dublin darauf, dass das Flugzeug ohne „FalconEye“ ausgeliefert werde, ein von der israelischen Firma Elbit Systems entwickeltes System zur Sichtverbesserung und Landeunterstützung.

Die Entscheidung spiegelte Irlands Politik wider, israelische Verteidigungsprodukte zu meiden, vor dem Hintergrund sich verschlechternder diplomatischer Beziehungen zu Israel aufgrund des Krieges im Gazastreifen.

Die Folgen dieser anti-israelischen Maßnahme wurden fast sofort deutlich. Von irischen Medien befragte Luftfahrtexperten wiesen darauf hin, dass FalconEye den Piloten bei schlechter Sicht ein verbessertes Situationsbewusstsein verschafft und den Flugbetrieb unter Wetterbedingungen ermöglicht, die andernfalls eine Umleitung zu einem Ausweichflughafen erfordern würden.

Berichten zufolge schränkt der Verzicht auf das System die operative Flexibilität bei widrigen Wetterbedingungen ein, obwohl das Flugzeug weiterhin über herkömmliche, zertifizierte Instrumentenlandesysteme verfügt, wie sie in modernen Flugzeugen zum Einsatz kommen.

Ob sich die praktischen Auswirkungen über die Lebensdauer des Flugzeugs hinweg als erheblich erweisen, ist fast nebensächlich. Der Vorfall verdeutlicht etwas, das weit über eine einzelne Beschaffungsentscheidung hinausgeht.

Er zeigt, wie schwierig es geworden ist, fortschrittliche Technologie von dem Land zu trennen, das zunehmend zu ihrer Entwicklung beiträgt.

Israel macht weniger als 0,12 % der Weltbevölkerung aus. Dennoch ist sein Einfluss auf die globale Technologie unverhältnismäßig groß.

Das Land zählt durchweg zu den weltweit führenden Innovationsökosystemen, verzeichnet eine der höchsten Risikokapitalinvestitionen pro Kopf und beherbergt Hunderte multinationaler Forschungs- und Entwicklungszentren, die von Unternehmen wie Intel, Nvidia, Microsoft, Apple, Google und Amazon betrieben werden.

Viele der in diesen Einrichtungen entwickelten Technologien fließen letztendlich in Produkte ein, die an anderen Orten hergestellt werden.

Das schafft einen wichtigen Unterschied zwischen dem Boykott von Produkten israelischer Marken und dem Verzicht auf israelische Technologie. Ersteres mag relativ unkompliziert sein. Letzteres wird zunehmend schwieriger.

Ein Beispiel dafür sind Halbleiter. Israelische Ingenieure spielten eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung mehrerer Generationen von Intel-Prozessoren.

Nvidia hat Mellanox, das israelische Netzwerkunternehmen, das es 2020 für 6,9 Milliarden US-Dollar übernommen hat, zu einer der Säulen seines Geschäfts im Bereich der Infrastruktur für künstliche Intelligenz gemacht.

Zahlreiche Cybersicherheitsprodukte, die Regierungen, Banken und kritische Infrastruktur weltweit schützen, stammen von israelischen Unternehmen oder israelischen Forschungsteams.

Doch israelische Innovationen beschränken sich nicht auf Halbleiter und Luftfahrttechnik. Präzisionslandwirtschaft, Entsalzungstechnologie, medizinische Geräte, autonome Fahrsysteme, künstliche Intelligenz, Satellitenkommunikation und fortschrittliche Sensoren enthalten allesamt in erheblichem Umfang israelisches Know-how.

Normale Verbraucher nehmen dies jedoch selten wahr, da diese Technologien in der Regel in Produkte amerikanischer, europäischer oder asiatischer Marken integriert sind.

Der Verteidigungsbereich liefert vielleicht das deutlichste Beispiel. Israelische Unternehmen haben sich tief in internationale Lieferketten integriert und exportieren längst nicht mehr nur komplette Waffensysteme. Elbit Systems, Rafael und Israel Aerospace Industries liefern zunehmend Subsysteme, Sensoren, Avionik, elektronische Kampfführungsfähigkeiten und Raketentechnologien, die zu Bestandteilen von Ausrüstung werden, die anschließend in anderen Ländern zu Endprodukten zusammengebaut werden.

Und die irische Regierung demonstriert diesen Widerspruch ganz offen.

Während ihre Beamten versuchten, das FalconEye-System von Elbit aus ihren Dienstflugzeugen auszuschließen, deuten Berichte darauf hin, dass neu bestellte Airbus-Hubschrauber weiterhin Helionix-Flugsysteme enthalten, die gemeinsam von Airbus und Elbit entwickelt wurden, da diese Systeme als unverzichtbar gelten.

Auch irische Seeaufklärungsflugzeuge sind mit israelischer Radartechnologie ausgestattet. Eine vollständige technologische Abkopplung von Israel ist offenbar wesentlich schwieriger, als politische Erklärungen vermuten lassen.

Die Episode verdeutlicht noch etwas anderes. Irlands Widerstand gegen israelische Technologie scheint dort zu enden, wo die eigenen strategischen Interessen beginnen.

Wenn israelische Systeme als unverzichtbar gelten, bleiben sie im Einsatz, und wenn sie entfernt werden können, ohne die Leistungsfähigkeit grundlegend zu beeinträchtigen, hat politische Symbolik Vorrang. Das ist weniger eine kohärente Beschaffungspolitik als vielmehr eine selektive Anwendung von Prinzipien.

Leider steht Irland damit nicht allein da. Viele westliche Regierungen, die sich für Beschränkungen israelischer Produkte einsetzen oder diese unterstützen, unterhalten weiterhin umfangreiche Handelsbeziehungen zu Ländern, deren Menschenrechtsbilanz anhaltende internationale Kritik auf sich gezogen hat.

Europa war jahrelang auf russisches Öl und Erdgas angewiesen und trug so dazu bei, die Einnahmen des Kremls zu sichern. Westliche Unternehmen produzieren weiterhin in großem Umfang in China, trotz anhaltender Bedenken hinsichtlich Xinjiang, Tibet und des zunehmenden Drucks auf Taiwan.

Saudi-Arabien bleibt trotz wiederholter Kritik an seiner Menschenrechtsbilanz ein wichtiger strategischer und wirtschaftlicher Partner, während Katar die politische Führung der Hamas beherbergt, obwohl es zu einem der größten Lieferanten von Flüssigerdgas für Europa geworden ist und Milliarden Dollar in westliche Universitäten investiert hat.

Das Muster lässt sich kaum übersehen: Ethische Standards werden oft bemerkenswert flexibel, wenn nationale Interessen oder wirtschaftliche Vorteile auf dem Spiel stehen.

Das Flugzeug der irischen Regierung dürfte kaum das letzte Beispiel dafür sein, dass Politik und Technologie aufeinanderprallen. Da israelische Innovationen zunehmend in globale Lieferketten eingebunden sind, werden Versuche, sie auszuschließen, immer schwieriger und in vielen Fällen auch kostspieliger.

Die Ironie dabei ist, dass Kampagnen, die darauf abzielen, Israel zu isolieren, zunehmend dazu führen könnten, dass diejenigen isoliert werden, die sie betreiben. In einer Welt, in der israelisches Fachwissen alles antreibt – von Flugzeugen und Halbleitern bis hin zu Cybersicherheit, medizinischen Geräten und künstlicher Intelligenz –, werden die Kosten symbolischer Boykotte wohl kaum allein von Israel getragen werden.

Vielmehr werden sie wahrscheinlich von den Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern getragen, die feststellen, dass Innovation nicht durch politische Parolen ersetzt werden kann. Israel hat während eines Großteils seiner Existenz mit Boykotten, Sanktionen und diplomatischem Druck gelebt und sich wiederholt darauf eingestellt.

Diejenigen, die entschlossen sind, israelische Technologie zu einem politischen Ziel zu machen, könnten jedoch letztendlich feststellen, dass sie sich damit ins eigene Fleisch schneiden.

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