Tel Aviv als führender Tech-Standort eingestuft – Studie sieht Zukunft abhängig von städtischer Infrastruktur
Israels Finanzmetropole Tel Aviv zählt laut einem neuen Bericht des US-Immobilienriesen JLL zu den weltweit führenden Zentren technologischer Innovation. Die Studie warnte jedoch, dass die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Stadt weniger von Innovation allein als vielmehr von ihrer Fähigkeit abhängen werde, die Wohn-, Verkehrs- und städtische Infrastruktur zu verbessern.
Der Bericht untersuchte 135 Städte weltweit mit einer Gesamtbevölkerung von 866 Millionen Einwohnern und einer jährlichen Wirtschaftsleistung von 54 Billionen US-Dollar. Die untersuchten Städte umfassten 38 Millionen Beschäftigte im Technologiebereich und 937 Millionen Quadratmeter Bürofläche, wobei die Rangliste auf Innovationsleistung und Talentkonzentration basierte.
Die San Francisco Bay Area belegte weltweit den ersten Platz in Sachen Innovation, gefolgt von Peking, Boston, London, New York, Paris, Seoul, Singapur und Tokio.
Die Studie stufte Tel Aviv als eines von 18 aufstrebenden internationalen Technologiezentren ein, neben Städten wie Los Angeles, Berlin, Shanghai, Kopenhagen, Stockholm, Zürich, Sydney, Toronto, Washington D.C., Cambridge und Amsterdam. Tel Aviv wurde insbesondere gemeinsam mit Berlin und Seattle als Stadt mit einem schnell wachsenden Technologieprofil eingestuft.
Mit Blick auf die Zukunft kam der Bericht zu dem Schluss, dass die künftige Führungsrolle im Technologiebereich zunehmend davon abhängen wird, ob Städte ausreichend Wohnraum, effiziente Verkehrssysteme und eine moderne städtische Infrastruktur bereitstellen können.
„Der Bericht positionierte Tel Aviv klar auf der globalen Innovationslandkarte, neben Städten wie Austin, Berlin und Seattle“, sagte Yaniv Lotringer, CEO von JLL Israel.
Lotringer warnte jedoch, dass Tel Aviv potenzielle Engpässe angehen müsse, darunter begrenzte Büroflächen, Wohnungsknappheit und Ineffizienzen im Verkehrswesen.
„Innovation findet nicht nur innerhalb von Unternehmen und bei Finanzierungsrunden statt. Sie braucht eine funktionierende Stadt mit hochwertigen Büros, Verkehrsmitteln, Wohnraum, Forschungseinrichtungen und einem Umfeld, das Verbindungen zwischen Menschen, Unternehmen und Ideen schafft“, erklärte Lotringer.
„Für Tel Aviv und Israel lautet die nächste Frage nicht nur, wie viele Unternehmen hier gegründet werden, sondern ob wir die Infrastruktur schaffen können, die es ihnen ermöglicht, zu bleiben, zu expandieren und Talente anzuziehen“, fuhr er fort.
„Wer heute die Arbeits- und Lebensumgebungen von 2030 plant, wird im Wettbewerb um globale Unternehmen und Spitzenkräfte einen erheblichen Vorteil haben“, schloss Lotringer.
Tel Aviv hat seit Jahren mit verstopften Straßen und unzureichendem öffentlichen Nahverkehr zu kämpfen, doch derzeit laufen große Infrastrukturprojekte. Im November 2025 startete Israel offiziell die erste Phase des 17-Milliarden-Dollar schweren Tel Aviv Metro-Projekts, einem zentralen Bestandteil der Modernisierung des städtischen Verkehrsnetzes.
Der JLL-Bericht lobte dennoch das Innovationsökosystem von Tel Aviv. So wurde beispielsweise festgestellt, dass die Zuwanderungsrate der Stadt 3,8-mal so hoch ist wie die von San Francisco und anderen etablierten Ankerstädten, ein Hinweis auf starke Anziehungskraft für Fachkräfte.
Israel, international als „Start-up-Nation“ bekannt, hat sich in den letzten Jahren zu einem der weltweit führenden Technologiezentren außerhalb des Silicon Valley entwickelt, wobei Tel Aviv als Dreh- und Angelpunkt der Technologiebranche des Landes fungiert.
Eine Studie aus dem Jahr 2023 stufte Tel Aviv als den fünftgrößten Produzenten von Einhorn-Unternehmen weltweit ein. Der Begriff „Einhorn“ bezieht sich auf privat geführte Start-ups mit einem Wert von über einer Milliarde US-Dollar.
Der Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, lobte die Position der Stadt als globales Innovationszentrum.
„Ich bin stolz darauf, dass die Stadt Tel Aviv-Jaffa im ‚Global Founders Factory‘ so gut platziert ist und dass 27 führende lokale Unternehmen 108 innovative Unternehmen ‚hervorgebracht‘ haben, die von ehemaligen Mitarbeitern großer Unternehmen gegründet wurden.
Dies sind die Errungenschaften von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, die es der lokalen Hightech-Industrie ermöglicht haben, im vergangenen Jahr erstaunliche Kreativität und Erfolge zu zeigen“, erklärte Huldai.
Die Mitarbeiter von All Israel News sind ein Team von Journalisten in Israel.