Die Jesaja-Rolle – Ein Zeichen für unsere Generation
Es gibt Momente, in denen die Geschichte stillzustehen scheint. Wir haben gerade einen solchen Moment erlebt, als wir die authentische Schriftrolle des Propheten Jesaja mit eigenen Augen betrachten durften. Diese Schriftrolle wurde 1947 in den Höhlen von Qumran entdeckt und ausnahmsweise der Öffentlichkeit gezeigt. Seit der Eröffnung des Israel-Museums im Jahr 1965 hat dieses Manuskript, einer der wertvollsten Schätze der Menschheit, die Tresore, in denen es vor Licht und dem Zahn der Zeit geschützt aufbewahrt wird, kaum verlassen. Vor diesem mehr als 2000 Jahre alten Pergament, während junge Schüler den antiken Text mit ihrer eigenen Ausgabe der Megillat Yeshayahu (Jesaja-Rolle) vergleichen, überkommt uns eine tiefe Ergriffenheit. Wir stehen nicht nur vor einem archäologischen Fund, sondern vor einem stillen Zeugen der Treue Gottes.
Eine Entdeckung in einer Zeit, in der Israel wiedergeboren wird
Der Zeitpunkt dieser Entdeckung ist an sich schon unglaublich. Im Herbst 1947, nur wenige Monate vor der Ausrufung des jüdischen Staates am 14. Mai 1948, warf ein junger beduinischer Hirte einen Stein in eine Höhle in Qumran; das Geräusch eines zerbrechenden Kruges veränderte den Lauf der biblischen Archäologie. Die Schriftrollen vom Toten Meer waren waren nach fast 20 Jahrhunderten wieder ans Licht gekommen. Als ob Gott in dem Moment, da Israel unter den Völkern wiedergeboren werden sollte, auch das schriftliche Zeugnis seines Wortes aus den Tiefen der Geschichte hervorholen würde. Das Volk kehrt in sein Land zurück, das Wort kehrt ans Licht zurück.
Unter allen gefundenen Handschriften nimmt die vollständige Jesaja-Rolle einen einzigartigen Platz ein. Wie könnten wir da nicht an die Worte des Propheten denken? „Wurde je ein Land an einem Tag zur Welt gebracht? Ist je ein Volk auf einmal geboren worden?“ (Jesaja 66,8). Am 14. Mai 1948 wurde Israel entgegen aller Widrigkeiten nach fast 2.000 Jahren des Exils offiziell wiedergeboren. Was den Menschen unmöglich erschien, wurde vor den Augen der Nationen Wirklichkeit. Für Gläubige spiegelt diese Wiedergeburt die Verheißungen wider, die vor Jahrhunderten von den Propheten verkündet wurden.
Gott wacht über sein Wort
Das Jesaja-Manuskript brachte die Skeptiker zum Schweigen. Kritiker behaupteten, die Bibel sei im Laufe der Jahrhunderte verändert worden. Die Entdeckung in Qumran widerlegte diese Behauptungen. Die Jesaja-Rolle wird auf etwa 150 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert. Im Vergleich zum hebräischen (masoretischen) Text, der in unsere modernen Bibeln überliefert wurde, ist die Übereinstimmung jedoch schlichtweg bemerkenswert. Es gibt einige wenige Abweichungen in der Schreibweise und einige Unterschiede bei der Abschrift, wie bei jedem antiken Manuskript. Doch die Botschaft, die Prophezeiungen, die Verheißungen – all das bleibt erhalten. Welches andere antike Buch kann eine derart bemerkenswerte Treue bei der Überlieferung der Heiligen Schrift über mehr als zwei Jahrtausende hinweg für sich beanspruchen?
Der Prophet Jesaja schrieb: „Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; aber das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit!“ (Jesaja 40,8). 2.000 Jahre lang blieb diese Schriftrolle in einem Gefäß im Herzen der judäischen Wüste verborgen. Reiche kamen und gingen, Rom ist verschwunden, Königreiche sind gefallen. Doch Gottes Wort wartete auf den richtigen Zeitpunkt, denn Gott wacht über sein Wort. Zur festgesetzten Zeit kam es unversehrt ans Licht.
Ein Zeichen für unsere Generation
Wenn wir diese mehr als 7 Meter lange Schriftrolle betrachten, sehen wir das Zeugnis dessen, der seine Verheißungen hält und die Geschichte lenkt. Die Entdeckung der Jesaja-Schriftrolle am Vorabend der Wiedergeburt Israels bietet dem Gläubigen ein eindrucksvolles Bild. So wie Israel seinen Platz unter den Nationen wiedererlangte, erhielt auch die Welt eines der ältesten Zeugnisse für die Wahrhaftigkeit der Heiligen Schrift zurück.
Wir, die wir das Privileg hatten, diese außergewöhnliche Handschrift mit eigenen Augen zu sehen, glauben: Wenn Gott Sein Wort 20 Jahrhunderte lang bewahrt hat, wird Er auch alles erfüllen, was Er versprochen hat. Und die Jesaja-Rolle, die mehr als 2.000 Jahre lang geschwiegen hat, wird diese Wahrheit bis zum Ende der Zeiten weiter verkünden.
„Ich Gott bin und keiner sonst; ein Gott, dem keiner zu vergleichen ist. Ich verkündige von Anfang an das Ende, und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist.“ Jesaja 46,9–10
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