Israel weist niederländische Vertreter wegen „anti-israelischer“ Maßnahmen aus dem Gaza-Koordinierungszentrum aus
Israel wies am Dienstag niederländische Beamte an, das von den USA unterstützte Zivil-Militärische Koordinationszentrum für den Gazastreifen (CMCC) in der israelischen Stadt Kiryat Gat zu verlassen, und verwies dabei auf Maßnahmen der niederländischen Regierung, die der israelische Außenminister Gideon Sa’ar als „antiisraelisch“ bezeichnete.
Das CMCC wurde von der Trump-Regierung als internationale Drehscheibe zur Koordinierung von Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Gazastreifen eingerichtet.
„Die antiisraelische Politik der niederländischen Regierung geht mit einer beispiellosen Welle von Antisemitismus und Boykotten in diesem Land einher“, sagte Sa’ar. „Unsere Botschaft ist klar: Wer gegen Israel handelt, wird in der Region keinen Fuß fassen. Israel wird Maßnahmen gegen sich nicht unbeantwortet lassen.“
Premierminister Benjamin Netanjahu soll den Beschluss gebilligt haben, der der niederländischen Botschaft in Tel Aviv sowie amerikanischen Vertretern übermittelt wurde.
Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer drastischen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Israel und den Niederlanden seit dem Terroranschlag der Hamas auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg im Gazastreifen. Die niederländische Regierung hat Israels Militäroperation gegen die Hamas zunehmend kritisiert und eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die sich gegen die israelische Politik und den Handel richten.
Im vergangenen Monat haben die Niederlande ein Handelsverbot für israelische Produkte, die aus Ostjerusalem, den Golanhöhen sowie Judäa und Samaria (Westjordanland) stammen, gesetzlich verankert. Die Maßnahme soll im September in Kraft treten.
Anfang dieses Monats kündigte der niederländische Außenminister Caspar Veldkamp an, dass die Niederlande die Aussetzung des Handelsteils des Assoziierungsabkommens zwischen Israel und der Europäischen Union anstreben. Veldkamp erklärte dem israelischen Botschafter in den Niederlanden, Modi Ephraim, dass dieser Schritt durch die internationale Kritik an Israel wegen des Gaza-Kriegs motiviert sei.
Im Juli haben die Niederlande zudem Israel auf eine Liste von Staaten gesetzt, die als Bedrohung für das Land angesehen werden, neben Ländern wie Russland und dem Iran, und begründeten dies mit Bedenken hinsichtlich ausländischer Einflussnahme und Versuchen, die politische Meinungsbildung zu beeinflussen. Der Vorsitzende der niederländischen Freiheitspartei, Geert Wilders, kritisierte die Haltung der Regierung gegenüber Israel und erklärte, er schäme sich „zutiefst“ für diese Maßnahmen.
Die Spannungen reichen zudem über die Regierungspolitik hinaus. Der niederländische öffentlich-rechtliche Sender AVROTROS bestätigte am Montag, dass er den Eurovision Song Contest 2027 in Bulgarien wegen der Teilnahme Israels boykottieren werde.
Die Niederlande sind das zweite Land nach Spanien, dessen Vertreter aus dem Gaza-Koordinationszentrum abgezogen wurden