Kolumbiens Anerkennung der Golanhöhen in diplomatisches Handeln umwandeln
In der oft zynischen Welt der internationalen Diplomatie sind Momente echter Klarheit selten. Kolumbiens jüngste Entscheidung, die israelische Souveränität über die Golanhöhen offiziell anzuerkennen, ist ein solcher Moment. Indem Bogotá als erst zweites Land nach den Vereinigten Staaten, die diesen Schritt 2019 vollzogen, hat Bogotá damit nicht lediglich eine Erklärung abgegeben, sondern eine seit Langem bestehende diplomatische Fiktion durchbrochen.
Die Glückwünsche aus Jerusalem sind zwar verdient, müssen jedoch mit einer strategischen Neuausrichtung einhergehen. Viel zu lange hat Israel den Golan als feststehende militärische Realität, aber als diplomatisch ruhende Frage behandelt. Da sich die Lage in Syrien zu einem komplexen Geflecht aus dschihadistischen Fraktionen und türkischem Einfluss verschlechtert, ist die Gefahr internationalen Drucks für einen Rückzug Israels nicht mehr abstrakt. Sie ist greifbar und nimmt zu.
Der strategische Notwendigkeit: Jenseits der Symbolik
Israel hat erst spät erkannt, dass die internationale Anerkennung seiner Souveränität über die Golanhöhen keine deklaratorische oder symbolische Angelegenheit ist, sondern ein strategisches Ziel von höchster Bedeutung. Dies gilt umso mehr nach der „Wiedervereinigung Syriens“ unter Präsident Ahmed al-Sharaa.
Die größere verpasste Chance ergab sich mit dem Aufstieg der Regierung al-Sharaa. Die westlichen Länder öffneten ihm rasch ihre Türen, verliehen seiner Regierung Legitimität und lockerten Sanktionen. Israel hätte seinen Verbündeten bereits damals eine klare Gleichung vorlegen sollen: Anerkennung der neuen syrischen Regierung im Gegenzug für die Anerkennung der israelischen Souveränität über den Golan. Wenn der Westen Damaskus stärkt und sich das Prinzip der „territorialen Integrität Syriens“ zu eigen macht, darf er nicht zulassen, dass die Golanhöhen implizit in diese Formel einbezogen werden.
Die wachsenden Verbindungen zwischen Ankara und Damaskus, gepaart mit Syriens ausdrücklichem Beharren auf seinem Anspruch auf den Golan, sollten als Weckruf dienen. Je fester sich die syrische Regierung etabliert, desto lauter werden die Stimmen werden, die fordern, dass die Rehabilitierung Syriens durch die Wiederaufnahme der Golan-Frage „vollendet“ wird.
Die biblische und rechtliche Grundlage
Die Kampagne für die internationale Anerkennung muss auf mehr als nur auf Sicherheitsaspekten beruhen – sie muss in der Geschichte und im Völkerrecht verankert sein.
Der Ausdruck „von Dan bis Beerscheba“ taucht in den hebräischen Schriften mehrfach auf und dient als gängiger biblischer Ausdruck zur Beschreibung der gesamten Ausdehnung des israelitischen Territoriums. Diese geografische Bezeichnung definierte das gesamte Kernland der alten israelitischen Nation. Die Stadt Dan, der nördliche Ankerpunkt dieses Ausdrucks, liegt in der Golan-Region.
Diese biblische Geografie hat die modernen politischen Grenzen des Nahen Ostens direkt beeinflusst. Auf der Konferenz von San Remo im Jahr 1920 stützte sich der britische Premierminister David Lloyd George ausdrücklich auf diese biblische Karte, um das Gebiet der jüdischen nationalen Heimstätte abzugrenzen. Das ursprüngliche Mandat für Palästina umfasste demnach auch die nördlichen Gebiete, die heute die Golanhöhen bilden, einschließlich des Hermongebirges.
Die endgültigen Grenzen wurden jedoch nicht durch die Heilige Schrift, sondern durch imperiale Realpolitik festgelegt. Durch das Paulet-Newcombe-Abkommen von 1923 trat Großbritannien den Golan an das französische Mandatsgebiet Syrien ab. Dieser Schritt beruhte nicht auf historischer oder demografischer Gerechtigkeit, sondern war das Ergebnis kolonialer Kompromisse, bei denen es um Ölkonzessionen ging – insbesondere um die Sicherung der britischen Kontrolle über die Ölfelder von Mosul.
Israels Präsenz auf den Golanhöhen, die nach dem Sechstagekrieg 1967 gesichert wurde, kann als Wiederherstellung einer Grenze betrachtet werden, die zuvor im Rahmen des Völkerrechts in San Remo anerkannt worden war. Als Präsident Donald Trump 2019 die israelische Souveränität anerkannte, bestätigte er eine Realität, die bereits ein Jahrhundert zuvor festgelegt worden war. Er stellte das Offensichtliche fest: dass manche Grenzen nicht nur mit diplomatischer Tinte gezogen werden, sondern auch durch die unveränderlichen Felsen der Geografie und Geschichte.
Der Fahrplan: Von einer einzelnen Errungenschaft zur kritischen Masse
Kolumbien hat gezeigt, dass eine Anerkennung möglich ist. Nun muss aus dieser einzelnen Errungenschaft eine kritische Masse entstehen. Israel muss eine gezielte diplomatische Kampagne führen und sich dabei auf Länder konzentrieren, in denen die Voraussetzungen günstig sind.
Die naheliegenden Ziele sind Nationen, die bereits diplomatischen Mut in Bezug auf Jerusalem bewiesen haben – ein Thema, das aufgrund seiner religiösen Bedeutung weitaus komplizierter ist. Länder, die Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt, ihre Botschaften dorthin verlegt oder eine ungewöhnlich unterstützende Haltung eingenommen haben, sind die natürlichen Adressaten für diese Bemühungen.
Unmittelbare Prioritäten (die „niedrig hängenden Früchte“)
Argentinien: Präsident Javier Milei ist einer der größten Verbündeten Israels weltweit. Er hat bereits seine Absicht angekündigt, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Bei seinem jüngsten Besuch hat Israel ihn zu Recht geehrt, doch hätte auch ein strategisches Thema angesprochen werden sollen: Ein wahrer Freund sollte die Realität auf den Golanhöhen anerkennen. Dies ist eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen darf.
Tschechische Republik: Als treuer Freund in Europa hat Prag bei Fragen rund um Jerusalem eine Vorreiterrolle übernommen. Man versteht dort die Gefahren des Radikalismus und die Bedeutung der territorialen Integrität.
Die nächste Stufe (die „Verbündeten im Pazifik und in der Peripherie“)
Fidschi: Eine tief religiöse Nation mit einer starken christlich-zionistischen Ausrichtung. Die fidschianische Regierung hat in der UNO stets mit Israel gestimmt. Das biblische Argument „von Dan bis Beerscheba“ findet hier großen Anklang.
Palau: Wie Fidschi hat auch Palau eine Geschichte unerschütterlicher Unterstützung für Israel in internationalen Foren, wobei oft das biblische Erbe angeführt wird. Diese Inselstaaten sind zwar klein, haben aber in den Abstimmungsblöcken der UNO erhebliches Gewicht.
Aserbaidschan: Ein strategischer Verbündeter mit muslimischer Mehrheit. Baku ist sich der existenziellen Bedrohungen durch den Iran und der Notwendigkeit sicherer Grenzen bewusst. Die Anerkennung des Golans steht im Einklang mit seinem Sicherheitsparadigma, strategische Partnerschaften vor religiöse Solidarität zu stellen.
Paraguay, Honduras und Guatemala: Diese Nationen haben ihre Freundschaft durch die Verlegung ihrer Botschaften nach Jerusalem unter Beweis gestellt. Der nächste logische Schritt zur Festigung dieses Bündnisses ist die Anerkennung des strategisch wichtigen Plateaus im Norden.
Der amerikanische Hebel
Die Vereinigten Staaten, die die israelische Souveränität über die Golanhöhen anerkannt haben, investierten erhebliches diplomatisches Kapital in die Stärkung des neuen Syriens. Israel hätte Washington bitten sollen, seinen Einfluss geltend zu machen: Jedes Land, das von den USA grünes Licht erhält, sich Damaskus anzunähern, sollte gleichzeitig aufgefordert werden, die unumkehrbare Realität auf den Golanhöhen anzuerkennen.
Fazit
Die Golanhöhen sind kein Verhandlungsobjekt. Sie sind das biblische Erbe des Stammes Dan, die Quelle des Jordans und die Anhöhe, die Galiläa schützt. Seit 60 Jahren garantiert die israelische Kontrolle Stabilität, Sicherheit und Wohlstand dort, wo einst Beschuss und Terror herrschten.
Kolumbien hat sich den Vereinigten Staaten angeschlossen und diese Wahrheit anerkannt. Nun muss Jerusalem aus diesem Duett einen Chor machen. Indem Israel Freunde wie Argentinien, Fidschi und die Tschechische Republik mit klaren historischen und rechtlichen Argumenten einbezieht, kann es sicherstellen, dass die nächste Generation von Diplomaten mit dem Wissen aufwächst, dass die Golanhöhen nicht „besetzt“, sondern einfach Heimat sind.