Opinion Blog / Guest Columnist
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Meinung

Jona und die Umkehr

 
Das Buch Jona (Foto: Shutterstock)

„Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört!“ (Jona 3,4)

Das sind die Worte, die Jona drei Tage lang sprach, während er durch die Stadt Ninive ging – gerade einmal fünf Wörter auf Hebräisch. Jona erwähnt weder die Sünde Ninives, noch hält er eine Predigt über die Umkehr, noch nennt er überhaupt den Namen des Herrn. Jona sagte das absolut Nötigste. Und doch bewirkte Gott durch diese kurze Botschaft etwas Ungeheuerliches.

Das Verb הפך (hafakh), übersetzt mit „zerstören“, ist besonders interessant. Es kann sich auf Zerstörung beziehen, wie es bei Sodom und Gomorra der Fall war, aber es kann auch bedeuten, sich zu wandeln, sich zu verwandeln oder sich zu bekehren. Das Wort birgt somit prophetische Tiefe: Ninive wird entweder durch das Gericht zerstört oder durch Buße innerlich gewandelt. Letztendlich wurde Ninive nicht zerstört, weil es sich wahrhaftig „umgewandt“ hatte. Die 40 Tage stellten eine Gnadenfrist dar.

Eine spektakuläre Wende

„Und die Leute von Ninive glaubten Gott…“ (Jona 3,5).

Das ist eine spektakuläre Wende, wie sie für Gott charakteristisch ist! Der Erste, der davon überrascht wurde, war Jona selbst. Er wusste, dass Gott „ein gnädiger und barmherziger Gott ist, langmütig und von großer Gnade“ (4,2) – doch es gibt Wahrheiten über Gott, die wir zwar kennen, die wir aber dennoch nur schwer wirklich akzeptieren können. Wenn man Jona betrachtet, kann man kaum sagen, dass er vor Freude in die Luft sprang … Fünf hebräische Wörter reichten aus, um einen König und eine ganze Stadt in die Knie zu zwingen und diese „Heiden“ dazu zu bringen, den Gott Israels anzuerkennen! Es fiel Jona schwer zu akzeptieren, dass göttliche Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sich auf alle erstrecken – sogar auf die Feinde Israels.

Die Einwohner von Ninive glaubten an Gott. Die hebräische Formulierung ist kraftvoll: Das Verb stammt aus derselben Wurzel wie Emunah – Glaube, Vertrauen und Standhaftigkeit. Die Niniviten fürchteten nicht bloß das Gericht; sie nahmen die Botschaft ernst als ein Wort, das direkt von Gott kam. Der Kontrast zu Jona ist auffällig: Der Prophet kennt den Herrn, hört Sein Wort direkt und widersetzt sich Ihm; die Niniviten hören nur einen einzigen Satz, gesprochen von einem völlig Fremden, und wenden sich sofort an Gott.

Auch wenn Jona vielleicht nicht Jesajas Worte kannte, dass Israel „ein Licht für die Völker“ sein sollte, so kannte er doch sicherlich die Berufung Israels: „Alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden“ (1. Mose 12,3; 22,18), gemäß Gottes Verheißungen an Abraham. Jona kannte diese Berufung, doch er widersetzte sich ihr. Als Prophet Israels verstand er die Verheißung an Abraham und den priesterlichen Auftrag Israels; sein Kampf bestand darin, zu akzeptieren, dass sich diese Gnade auch auf eine gewalttätige, feindliche Nation erstrecken könnte.

Ein Volk der Chamas

Jona konnte sich wahrscheinlich vorstellen, dass Israel wohlgesinnte Völker erleuchten würde, doch es fiel ihm weitaus schwerer zu akzeptieren, dass Israel zum Werkzeug für die Rettung Ninives werden sollte. Doch genau darin liegt die ultimative Ironie des Buches: Jona erfüllt Israels Berufung trotz seiner selbst. Durch ihn entdecken heidnische Seeleute die Furcht vor dem Herrn, die Niniviten hören das Wort Gottes, und eine fremde Stadt wendet sich von ihrer Gewalt – Chamas – ab. Man kann den auffälligen Zusammenhang zur Hamas im Gazastreifen (der Islamischen Widerstandsbewegung) und zu all jenen nicht übersehen, die die Welt durch Gewalt bedrohen und terrorisieren.

Lasst uns umkehren!

Jetzt sind wir an der Reihe, verwandelt zu werden! Wie leicht ist es doch, sich in moralischer und geistlicher Selbstzufriedenheit einzurichten. Wie Jona ruft Gott uns dazu auf, aus unseren bequemen Routinen herauszutreten, unsere starren Gewissheiten aufzugeben und unseren Glauben wahrhaftig auf den Gott des Unmöglichen zu setzen. Kopfwissen ist kein echter Glaube; intellektuelles Verständnis allein kann uns nicht retten. Das Wort muss in das Herz hinabsteigen, um unser Leben zu verwandeln: „ Sondern das Wort ist sehr nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, sodass du es tun kannst.“ (5. Mose 30,14). Mose sagte genau diesen Wandel voraus: „Und der HERR, dein Gott, wird dein Herz … beschneiden, dass du den HERRN, deinen Gott, liebst.“ (5. Mose 30,6).

Jonas Botschaft fordert uns heute heraus: Lasst uns Großes erwarten in einer Zeit, in der die Welt immer tiefer in Unglauben, Unmoral und Gewalt versinkt. Gott kann nicht nur einen „großen Fisch“ gebrauchen, um Seine Pläne zu erfüllen, oder einem Wurm befehlen, Jona’s Pflanze verdorren zu lassen, sondern Er kann auch menschliche Herzen in großem Maßstab „umkehren“.

Lasst uns auf die Gnade des Gottes Jakobs warten … Der Regen in Jerusalem am ersten Schabbat des Ellul ist ein willkommenes Zeichen, und die Feste des Tischri stehen bevor. Lasst uns die Stimme des Schofars erkennen.