USA „zutiefst beunruhigt“ nach einer Reihe gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Palästinensern
Israelische Politiker bedauern die Vorfälle und mahnen zur Vorsicht bei der Schuldzuweisung
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die Regierung von Präsident Donald Trump sei „zutiefst beunruhigt“ über die Entwicklungen, die sie in den letzten Wochen in Judäa und Samaria beobachtet habe.
Rubio erklärte weiter, man habe Israel aufgefordert, hart gegen Vorfälle von nationalistischer Gewalt in den umstrittenen Gebieten vorzugehen.
„Wir sind angesichts dieser Bilder und dessen, was wir sehen, sehr beunruhigt“, erklärte Außenminister Rubio als Reaktion auf eine Frage eines Reporters zu dem Angriff auf die „Washington Post“-Journalistin Heidi Levine am Freitag in der palästinensischen Stadt Abu Falah in der Nähe von Ramallah.
„Wir haben die Israelis gebeten und bitten sie weiterhin, hart gegen solche Vorfälle vorzugehen“, fügte Rubio hinzu.
Rubio sagte, Präsident Trump habe „sehr deutlich gemacht“, dass er angesichts der zunehmenden Vorfälle nationalistischer Gewalt in den vergangenen Wochen keine Eskalation in den umstrittenen Gebieten sehen wolle.
🇺🇸🇮🇱 “Not a good look” — Secretary of State Marco Rubio described footage of an Israeli settler attack on American photojournalist Heidi Levine in the occupied West Bank as “disturbing” https://t.co/x7SrfSQPA8
— HOT SPOT (@HotSpotHotSpot) October 18, 2026
In einer Erklärung, die er auf seinem persönlichen Social-Media-Account veröffentlichte, bezeichnete der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, den Vorfall um Levine als „brutalen und feigen Angriff“.
Mit dem Hinweis, dass Levine US-Staatsbürgerin sei und eindeutig als Pressevertreterin gekennzeichnet war, erklärte Huckabee, dass „diejenigen, die den unbewaffnete Reporterin angegriffen haben, Jahre im Gefängnis verbringen sollten“.
„Wir haben eine umfassende Untersuchung sowie die Festnahme und strafrechtliche Verfolgung aller Beteiligten im vollen Umfang des Gesetzes gefordert“, fügte er hinzu.
Der belgische Vizepremierminister und Außenminister Maxime Prevot verurteilte am folgenden Tag den Angriff auf eine Gruppe europäischer Diplomaten, die in der Nähe der palästinensisch-christlichen Stadt Taybeh unterwegs waren.
„Ich verurteile auf das Schärfste den Angriff maskierter Siedler in Taybeh im besetzten Westjordanland auf Palästinenser, unseren Generalkonsul, französische und polnische Diplomaten sowie Vertreter der katholischen Kirche“, schrieb Prevot auf seinem Social-Media-Account. „Ein französischer Bürgermeister wurde tätlich angegriffen und ein belgisches Fahrzeug beschädigt. Unser Team ist in Sicherheit.“
„Palästinenser sind dieser Gewalt täglich ausgesetzt“, erklärte Prevot und fügte hinzu: „Die Siedler nehmen auch Journalisten, die darüber berichten, und Diplomaten ins Visier. Oliven zu ernten, über das Geschehen zu berichten oder diplomatische Aufgaben wahrzunehmen, darf niemanden jemals dem Risiko eines Angriffs aussetzen.“
🇵🇸 I condemn in the strongest terms the attack by masked settlers in Taybeh, in the occupied West Bank, against Palestinians, our Consul General, French and Polish diplomats as well as catholic representatives. A French mayor was assaulted and a Belgian vehicle damaged. Our team is safe. Palestinians face this violence every day. Settlers also target journalists reporting on it and diplomats. Harvesting olives, reporting the news or carrying out diplomatic duties should never put anyone at risk of attack. As the occupying power, Israeli authorities must protect Palestinians, ensure the safety of diplomats and journalists, and bring those responsible to justice. Impunity for violent settlers must end. Belgium will continue to press for EU sanctions against those responsible for this violence and those who support them. This violence cannot be separated from Israel’s illegal settlement policy. Belgium condemns settlement expansion and attempts to forcibly displace Palestinians from their land. The occupation of the Palestinian territory must end. @BelgiumMFA @BelgiumJRS
— Maxime PREVOT (@prevotmaxime) October 17, 2026
Prevot behauptete zudem: „Diese Gewalt lässt sich nicht von Israels illegaler Siedlungspolitik trennen.“
Der französische Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten, Jean-Noël Barrot, verurteilte die Angriffe ebenfalls und erklärte: „Die israelischen Behörden müssen die Verantwortlichen für diese empörenden Taten unbedingt festnehmen und vor Gericht stellen.“
„Sie müssen diesen kriminellen Gewalttaten dringend ein Ende setzen und die Sicherheit der Zivilbevölkerung gewährleisten, wozu sie nach internationalem Recht verpflichtet sind“, fügte Barrot hinzu.
Premierminister Benjamin Netanjahu mahnte unterdessen zur Vorsicht, nachdem Berichte über den Angriff auf die europäischen Diplomaten und den Angriff auf Heidi Levine bekannt geworden waren.
In einer Erklärung auf dem offiziellen Konto des Büros des Premierministers (PMO) bezeichnete Netanjahu den Vorfall als „angeblichen Angriff auf europäische Diplomaten“ und erklärte, dass „schwerwiegende Anschuldigungen ernsthafte Beweise erfordern“.
„Wir mahnen zur Vorsicht, bevor aus den heutigen Berichten Schlussfolgerungen gezogen werden, wonach europäische Diplomaten in Judäa und Samaria von maskierten Israelis angegriffen worden seien“, schrieb Netanjahu am Samstagabend. „Jede Gewalt gegen Diplomaten ist inakzeptabel. Je schwerwiegender der Vorwurf, desto größer ist die Forderung nach stichhaltigen Beweisen.“
The Prime Minister's Office: ALLEGED ATTACK ON EUROPEAN DIPLOMATS: SERIOUS ACCUSATIONS REQUIRE SERIOUS EVIDENCE. We urge caution before drawing conclusions from today's reports that European diplomats were attacked by masked Israelis in Judea and Samaria. Any violence against diplomats is unacceptable. The more serious the accusation, the greater the demand for compelling evidence. Here is what we know: - The diplomatic delegation entered a sensitive area with a history of confrontations without prior coordination with the IDF, as officially confirmed by the military. Such coordination is essential to protecting visiting diplomats and preventing violence. - The visit included Bernard Baudoux, a French Communist Party mayor who previously raised the Palestinian flag over his municipal building, prompting French authorities to order its removal. - Published footage shows masked individuals confronting a diplomatic vehicle. Separate images show a smashed window and a person lying on the ground. These images alone do not establish the complete sequence of events or individual responsibility. Those circumstances remain under investigation. - Israeli police and forensic investigators have launched an investigation to establish the facts and identify those responsible. These reports come amid concerns about a coordinated campaign to smear Israel and the Jewish residents of Judea and Samaria during the annual olive harvest, relying on sensational headlines before the full facts emerge. We may see further allegations in the coming days. By the time the evidence is fully examined, the reputational damage from premature conclusions may already be done. We call on the public and responsible journalists to demand verifiable evidence, reject hearsay, and refuse to turn unproven allegations into a collective indictment of the Jewish residents of Judea and Samaria.
— Prime Minister of Israel (@IsraeliPM) October 17, 2026
„Diese Berichte erscheinen vor dem Hintergrund der Besorgnis über eine koordinierte Kampagne zur Verleumdung Israels und der jüdischen Bewohner von Judäa und Samaria während der jährlichen Olivenernte, bei der auf reißerische Schlagzeilen gesetzt wird, bevor alle Fakten bekannt sind“, fügte der Ministerpräsident hinzu.
Dieser Beitrag folgte auf eine ähnliche Stellungnahme vom Vortag, in dem Netanjahu auf den Vorfall reagierte, bei dem die „Washington Post“-Journalistin Heidi Levine schwer verletzt wurde.
„Die Umstände der Auseinandersetzung in der Nähe von Abu Falah, bei der die Fotojournalistin der ‚Washington Post‘, Heidi Levine, angeblich angegriffen wurde, sind nach wie vor unklar und werden derzeit untersucht“, erklärte Netanjahus Büro und fügte hinzu: „Israel verurteilt unmissverständlich Gewalt gegen jeden – Juden, Araber, Christen oder Journalisten. Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen.“
In diesem Beitrag wies der Ministerpräsident auf die Anwesenheit von „maskierten Personen auf beiden Seiten hin, die mit Gegenständen warfen, während Berichte über Feuerwerkskörper vorlagen, die auf jüdische Jugendliche abgefeuert wurden“.
„Die Fakten müssen die Schlussfolgerungen bestimmen. Nicht die Schlagzeilen“, lautete das Fazit der Erklärung des Ministerpräsidentenbüros.
Netanjahu behauptete außerdem: „Anderes Filmmaterial scheint zu zeigen, wie Levine zu Boden gestoßen und sofort von derselben unbekannten Person wieder auf die Beine geholfen wurde.“
Ein längerer Videoausschnitt zeigt, wie Levine zu Boden gestoßen und geschlagen wird, wobei ihr mehrere persönliche Gegenstände weggenommen werden, offenbar von den jüdischen Angreifern.
Später ist zu sehen, wie Levine von einem Kollegen wieder auf die Beine geholfen wird, während sie sagt: „Sie haben alles mitgenommen.“
In diesem Video ist nichts mehr von ihrer Kameraausrüstung zu sehen. Kurz nachdem sie wieder aufgestanden ist, werden sie und ihre Kollegen erneut von maskierten Personen angegriffen, bei denen es sich offenbar um Juden handelt, die Steine in ihre Richtung werfen.
This video captures settlers beating Heidi. They clubbed her, kicked her. Pulled her up off the ground to beat her more. Robbed her of all her equipment. If she didn’t have a helmet—and if she was Palestinian—she could be dead. https://t.co/hKV5coFvaD
— jasper nathaniel (@infinite_jaz) October 16, 2026
Präsident Isaac Herzog rief Levine an und entschuldigte sich persönlich für den Vorfall.
„Als Präsident des Staates Israel verurteile ich diese empörende und schockierende Gewalt aufs Schärfste, sowohl den schrecklichen Angriff, den Sie erlitten haben, als auch andere schwerwiegende Gewalttaten, wie sie heute in Taybeh stattfanden. Dies lastete während des gesamten Schabbats schwer auf meinem Gewissen, und ich bringe meine tiefe Trauer zum Ausdruck und entschuldige mich für das, was Sie durchgemacht haben“, sagte Herzog laut einer von seinem Büro bereitgestellten Zusammenfassung des Gesprächs zu Levine.
„Das verabscheuungswürdige Verhalten der Täter dieses Angriffs repräsentiert weder die Bürger noch die Werte des Staates Israel“, fügte Herzog hinzu.
Auch Außenminister Gideon Sa’ar verurteilte die gewalttätigen Vorfälle, an denen „israelische Randalierer“ beteiligt waren.
„Ich verurteile die schweren Gewalttaten israelischer Randalierer in der Gegend von Taybeh aufs Schärfste“, schrieb Sa’ar in den sozialen Medien und wies darauf hin, dass eine polizeiliche Untersuchung der Vorfälle eingeleitet worden sei.
„Das Außenministerium steht in Kontakt mit den Botschaftern der betroffenen Länder, um die Strafverfolgungsbehörden zu unterstützen, die daran arbeiten, die Angreifer zu identifizieren und vor Gericht zu stellen“, fuhr Sa’ar fort, und ermutigte gleichzeitig die diplomatischen Vertretungen, Besuche bei der IDF im Voraus abzustimmen.
I strongly condemn the severe acts of violence by Israeli rioters in the area of Taybeh. A police investigation has been opened, and forensic investigators from the Judea and Samaria District are already at the scene collecting evidence. The Foreign Ministry is in contact with the ambassadors of the countries concerned in order to assist the law enforcement authorities, who are working to identify the attackers and bring them to justice. Without detracting from the severity of the incident, it is unfortunate that the visit was not coordinated with the IDF in advance. Such coordination could have helped safeguard the visitors’ security.
— Gideon Sa'ar | גדעון סער (@gidonsaar) October 17, 2026
Der Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten und ehemalige Stabschef der israelischen Streitkräfte, Gadi Eisenkot, kritisierte Netanjahus Koalitionsregierung wegen der Gewalt in den umstrittenen Gebieten.
„Was in Judäa und Samaria geschieht, ist jüdischer Terror unter der Schirmherrschaft der israelischen Regierung“, schrieb Eisenkot auf seinem persönlichen Social-Media-Account. „Erneut greifen innerhalb eines einzigen Tages Gruppen gewalttätiger Gesetzesbrecher ausländische Staatsbürger an – diesmal sogar Diplomaten und Amtsträger.“
Eisenkot behauptete: „Eine Handvoll Krimineller verbrennt die letzten Fetzen Legitimität, die dem Staat Israel noch geblieben sind, gefährdet die Sicherheitskräfte und schadet dem Siedlungsprojekt in Judäa und Samaria sowie der nationalen Sicherheit.“
Unterdessen erklärte der Vorsitzende des Yesha-Rates, Yisrael Ganz, dass palästinensische „Provokateure“ teilweise für die Gewalt in den Gebieten verantwortlich seien.
„In den vergangenen zwei Tagen haben Gruppen von Provokateuren und Terroristen unter dem Vorwand der Olivenernte Chaos gestiftet“, erklärte Ganz.
„In vielen Fällen sind sie die eigentlichen Aggressoren, geraten außer Rand und Band und fügen Israelis Schaden zu“, fuhr Ganz fort.
Mehrere Siedlervertreter veröffentlichten am Samstagabend Videos, die offenbar maskierte Palästinenser zeigten, die mit Schleudern und Steinen am Ort der Olivenernte eintrafen – bereits Stunden vor dem gewalttätigen Vorfall am Freitag, bei dem Levine verletzt wurde.
Ganz räumte jedoch auch jüdische Gewalt ein und sagte: „Israelis, die Gewalt anwenden, spielen ihnen in die Hände und schaden den Menschen, den Siedlungen und dem Staat.“
Er forderte die israelische Polizei auf, „Verantwortung zu übernehmen“, um die Gewalt zu beenden.